Die Alte Welt

Die Kampagne spielt in einer hypothetischen Vergangenheit Anatoliens um 2000 v. Chr.: Alteingesessene Wächter und eingewanderte Wanderer leben gemeinsam in ihren Städten und Festungen in einem angespannten Gleichgewicht.

Dann gerät die Welt aus den Fugen – und es kommen Dinge ins Rollen, die größer sind als jede Einzelperson.

Das Alte Volk

Im tiefen Osten, wo die Flüsse träge wie große Schlangen durch das Land ziehen, lebt das Alte Volk: ein Volk mächtiger Weisheit, hoher Türme und alter Mauern, älter als viele Lieder des Westens.

Sie sagen, ihre Ahnen seien dem Meer entstiegen, nachdem die große Flut das erste Land verschlungen hatte. Aus Schlamm und Erinnerung bauten sie ihre Städte neu: Stein auf Stein, Wort auf Wort.

Ihre Priester kennen den Lauf der Sterne und das Gewicht der Namen. Ihre Schreiber bannen den Atem der Götter in Tafeln aus Lehm. Doch ihre Wege sind verschlungen wie ihre Kanäle, und wer mit ihnen handelt, verliert leicht das Maß zwischen Gabe und Preis.

Über allem steht ihre Göttin, die mächtige Herrin des Ostens. Sie hütet das Wasser des Lebens. Ihr Tempel ist Quelle und Spiegel zugleich: Wer hineinsieht, erkennt die Grenze zwischen Traum und Erinnerung.

Das Alte Volk weiß viel, aber nicht, wie man vergisst. Darum liegt über seinen Städten ein Glanz aus Wissen — und ein Schatten aus Müdigkeit.


Althafen

Althafen ist ein trutziger Außenposten der Wanderer am Rabenwasser, dort, wo ein alter Pass aus dem Hochland an eine dunkle Bucht führt. Über der Siedlung steht eine Festung aus Stein, erbaut von den Wächtern, lange bevor die Wanderer kamen.

Der Ort ist klein. Ein Rat aus Ältesten hält ihn zusammen. Bewacht wird Althafen von der Jungfrau mit dem Mondschwert und einer Handvoll bewährter Krieger.

Land gibt es kaum: ein paar gerodete Streifen, die der Wald sich langsam zurückholt. Die Menschen leben vom Fisch, vom Tausch und von dem, was über den Pass kommt: Honig, Wachs, Felle — und manchmal Dinge, die man nicht lange offen zeigt.

Hinter den letzten Hütten beginnt der Wald. Er ist dicht, feucht und still. Er hört nicht auf.

Dort leben die Waldmänner. Sie jagen, nehmen und verschwinden. Niemand weiß genau, wo ihr Land beginnt — oder ob es überhaupt endet.

Man sagt, unter der Festung liege ein alter Ort der Mutter, und aus ihm sei etwas geworden, das man heute die Schattenfrau nennt. Andere sagen, das Meer selbst sei nicht leer, und es gebe Dinge, die nur bei Nacht an die Bucht kommen.


Hochort

Hochort liegt im Oberen Land, nahe zweier alter Heiligtümer: dem Zirkel der Sonne und der Quelle des Mondes. Die Stadt ist eine wehrhafte Höhenstadt, nicht unbedeutend, aber im Schatten von Nebelhöh wirkt sie zweitrangig — vor allem für Leute, die gern auf andere herabschauen. Also fast alle Städte.

Hochort lebt von Pilgern, Handel über die Passwege und dem Ansehen seiner Heiligtümer. Im Frühling und Sommer kommen Menschen aus dem ganzen Land, bringen Opfergaben, bitten um Segen, Wetterglück und Schutz. Die Hüter der Heiligtümer gelten als alt, stolz und schwer zu beeindrucken.

Was man in Nebelhöh gern vergisst: Hochort war nicht der Anfang, sondern der Rückzug. Unten am Roten Fluss lagen früher Siedlung und Reichtum. Heute nennt man diesen Ort nur noch die Ruinen. Jeder kennt sie. Jeder meidet sie. Dort haust die Erdviper, ein gewaltiges Ungeheuer, umgeben von ihrer Brut. Man erzählt, sie hüte einen alten Schatz.

Hochort selbst wirkt jünger, als seine Legenden klingen. Die Mauern sind nicht uralt, aber solide. Vieles wurde rasch gebaut und später nachgebessert: pragmatisch, trutzig, ohne Prunk. Die Heiligtümer aber sind älter als die Stadt, und das spürt man.

In Hochort herrscht Bienenhüter, gestützt von einem Ring der Ältesten. Nach außen ist er höflich und ordnungsbetont. Doch in Hochort weiß man: Hier geht es immer auch um Rang, Anspruch und alte Rechte — und um den unterschwelligen Wettstreit mit Nebelhöh.

Wichtige Handelsgüter sind Salz, Wolle, Tücher, Häute, Leder, Felle, Getreide, Öl, Honig, rotes Erz, Erzeugnisse aus schwarzem Erz, geringe Mengen grauen Erzes und Silber.


Nebelhöh

Nebelhöh liegt auf einem alten Siedlungshügel, gewachsen aus Schicht über Schicht vergangener Zeiten. Von weitem sieht man Mauern aus dunklen gebrannten Steinen und sonnengetrocknetem Lehm: Spuren vieler Hände und vieler Jahre.

Auf dem höchsten Punkt liegt die Oberstadt mit dem Haus des Rates, den Speichern und dem Heiligtum der Quelle. Darunter zieht sich die Unterstadt hinab, ein Gewirr aus engen Gassen, Höfen und niedrigen Häusern.

Die Luft ist trocken und riecht nach Rauch und Korn. In den Werkstätten klopfen Steinhauer, Töpfer und Bronzegießer. Auf den Dächern trocknen Feigen und Zwiebeln. Kinder spielen in den Staubrinnen, Frauen mahlen Getreide und rufen einander über die flachen Dächer hinweg zu.

Am Südhang liegt das eingefasste Quellheiligtum. Das Wasser tritt klar und kühl aus der Tiefe hervor, gefasst in Becken aus behauenem Stein. Von dort fließt es in schmalen Kanälen durch die Gärten, zwischen Wein, Granatapfel und Gerste. Morgens schöpfen die Frauen das erste Wasser für das Heiligtum. Es riecht nach Stein und Leben.

Etwas abseits, jenseits des alten Händlerpfades, liegt die Siedlung der Siegelleute. Ihre Häuser sind sauber verputzt, ihre Türen mit Zeichen versehen. Sie handeln mit Zinn, Stoffen und getrocknetem Fisch aus dem Osten und bringen Nachrichten aus den großen Städten jenseits der Berge. Man hört ihre Sprache nur leise, und viele misstrauen ihren stillen Wegen.

Nach Sonnenuntergang schließt Nebelhöh seine Tore. Dann steigen Stimmen aus den Höfen herauf, ein Hund bellt, und der Wind trägt den Geruch von Brot und Öl über die Mauern. Aus der Tiefe hört man das Wasser leise fließen — das Herz der Stadt, älter als ihre Namen.


Die Siegelleute

Als das Reich des Großen Königs fiel und die Steine seiner Mauern im Staub versanken, blieben seine Schreiber und Händler zurück: fernab der mächtigen Städte, die die beiden großen Ströme des Ostens säumen.

Sie brachten Siegel und Tafeln, nicht Schwerter. In ihnen lebt das Wissen vom Maß, vom Gewicht und vom Wort.

Ihre Karawanen ziehen nach Westen, in das Land der Hügel. Dort handeln und leben sie mit den Hütern der Quelle: ansässig und doch fremd. Die Siegelleute sprechen in Zeichen, nicht in Liedern. Sie bieten Tausch statt Opfer und Vertrag statt Schwur.

Die Hüter sehen in ihnen ein Rätsel und eine Bedrohung: Menschen, die das Unsichtbare binden, indem sie es beschreiben.

Ihre Botschaften und Boten wandern zwischen Ost und West. Ihre Zungen sind glatt, ihre Finger grau vom Ton. Ihre große Stadt Akkad liegt wachsam und horchend zwischen den mächtigen Strömen.

Die Siegelleute glauben, dass das Wort den Geist bindet, so wie das Siegel den Handel bindet. Ihre Schiffe, so sagt man, befahren Fluss und Meer und träumen noch immer vom allmächtigen Reich von Akkad.


Die Sonnensöhne

Aus den warmen Hügeln des Südens stiegen die Sonnensöhne empor: ein Zweig desselben alten Stammes, aus dessen Urheimat auch die Wanderer kamen. Sie nahmen nur einen anderen Weg, westwärts entlang fruchtbarer Täler und offener Ebenen, bis sie in ein Land gelangten, das vom Licht geprägt ist.

Auch sie trafen auf alteingesessene Wächter. Mit der Zeit mischten sich Sippen, Rituale und Sagen. Aus dieser Verbindung wuchs ein neues Volk, geprägt von Sonne, Ordnung und einer Sprache, die den Klang der Wanderer bewahrte, aber schwerer, tiefer und voller Dialekt wurde.

Neben den Geistern des Landes verehren sie den eifersüchtigen Sonnengott, den Herrn des klaren Blicks, der Maß und Richtung gibt. Auch den Donnerer rufen sie an. Sein Name ist derselbe wie im Norden, doch sie sprechen ihn anders aus: rauer, mit einem Hall aus Fels und Meer.

Ihr Glaube ist fest wie ein Pfeiler im Wind: keine Verzückung, kein Rausch, sondern ein ruhiger, strenger Kult, der Licht von Schatten trennt.

Mit ihnen kam das Handwerk des Südens und Westens: Ton wird geformt, Bronze gebändigt, Felder werden gegliedert und Wasser abgeleitet. Wo sie siedeln, riecht die Luft nach Olivenholz, Lehm und dem feinen Staub ihrer Terrassen. Ihre Häuser stehen nicht verstreut, sondern geordnet, als wollten sie der Landschaft selbst eine Linie geben.

Sie achten Herkunft, Gesetz und das Wort, das unter der Sonne gesprochen wird. Ihr Rat geschieht im Schatten einer Säule, ihr Eid im vollen Glanz des Mittags. Standfestigkeit ist ihr Wesen, das Maß ihr Werkzeug und der Himmel ihr Zeuge.

Heute herrschen die Sonnensöhne über die weiten Länder des Westens, wo fruchtbare Felder und steinerne Höhen einander ablösen: ein Reich des Lichts, das Ordnung ausstrahlt wie sein Gott.


Die Wächter

Seit Menschengedenken leben die Wächter im Land in den Hügeln. Sie sind Ackerleute und Handwerker, Kinder des Steins und des Wassers. Ihre Häuser stehen dicht an dicht aus Lehmziegeln und schwarzem Basalt, mit flachen Dächern und Vorratsgruben darunter.

Sie leben vom Korn, nicht vom Metall. Ihre Felder folgen dem Rhythmus der Quelle, und jedes Frühjahr erneuern sie das Wasseropfer am Becken von Nebelhöh. Dort sprechen sie die alten Worte — nicht zu den Göttern, sondern zum Land selbst.

Die Quellenfrau ist Ursprung und Maß ihres Lebens. Ihr Wasser ist nicht Symbol, sondern Nahrung. Wenn es versiegt, schweigen selbst die Alten.

Die Wächter meiden Streit, halten an Ritus und Abfolge fest und misstrauen allem, was neu klingt. Fremde erkennen sie an ihren grauen Händen, dem Geruch von Erde und Asche — und an dem schmalen Tonamulett, das sie um den Hals tragen: drei Linien für das fließende Wasser.


Wächter und Wanderer

Die Alten erzählen: Als die Welt jung war, traten zwei Geister aus der Tiefe — die Quellenfrau, kühl und sanft, und der große Feuergeist, heiß und grollend. Sie hielten das Gleichgewicht: Wasser und Glut, Lied und Schweigen, Wachsen und Vergehen.

Doch der Feuergeist wurde zornig. Niemand weiß, warum. Sein heißer Atem rollte über die Große Steppe im Norden, verbrannte die Wurzeln, trieb das Wasser fort, und das Land wurde karg und stumm.

Die Wanderer, das Volk der offenen Weite, litten. Ihre Prophetin Wildwasser träumte von der Quellenfrau. Sie rief sie nach Süden und sagte: „Kommt, bevor alles stumm wird.“ Und so brachen sie auf. Nicht aus Gier, sondern aus Not.

Nach langer Reise fanden die Wanderer das Land in den Hügeln. Dort lebten die Wächter: schweigsam, tief verwurzelt, seit Urzeiten verschmolzen mit Quelle und Stein. Die Wächter prüften die Fremden, doch diese kamen mit leeren Händen und Liedern vom weiten Himmel.

In jener Nacht sang die Quelle laut. So wurde der Bund geschlossen.

Seitdem leben die Kinder der Wanderer und der Stillen im selben Land. Sie trinken, wachen und hüten die Quelle.


Die Wanderer

Aus den weiten Steppen des Nordens kamen die Wanderer: mit ihren Herden, ihren schweren Wagen aus Holz und Leder, gezogen von Ochsen, und mit einem neuen Tier, schneller und wilder als jedes andere: dem Pferd.

Es war ihnen kein bloßes Nutztier, sondern heilig — Sinnbild des Himmels und Begleiter des Sturmgottes. Doch die kühnsten ihrer Krieger schwangen sich auf den Rücken ihrer Rösser und flogen über Hügel und Ebenen.

Sie verehren den Donnerer, den Herrn des Himmels, der mit seiner Axt den Drachen erschlägt und den Regen bringt, und seine Gefährtin, die Sonnenfrau, deren Licht jeden Tag neu geboren wird. Ihr Glaube ist laut und klar wie ein Gewitter über der Steppe.

Mit ihnen kam das eherne Metall, aus Feuer geboren. Ihre Schmiede schmolzen Bronze, gossen Streitäxte, Speere, Dolche und Schwerter: Werkzeuge, die zugleich Macht und Gefahr bedeuten. Wo sie lagern, riecht die Luft nach Rauch, Fett und Erz.

Sie achten Mut, Treue und das gesprochene Wort. Ihr Rat geschieht am Feuer, ihr Eid unter freiem Himmel. Bewegung ist ihr Wesen, das Pferd ihr Stolz, der Himmel ihr Dach.

Als sie in das Land der Hügel kamen, trafen sie auf die stillen Hüter der Quelle. Zuerst trennten sie Misstrauen und Sprache, dann verband sie Not und Neugier. Die Wächter gaben den Wanderern Wurzeln. Die Wanderer brachten den Wächtern Bewegung.

So kam das Pferd in die Berge — und mit ihm das Donnern des Himmels. Seitdem leben Feuer, Erde, Wasser und Luft im selben Land.


Womit man handelt

Aus der Tiefe der Berge stammt das rote Erz, aus grünem Stein geboren: weich im Feuer, verlässlich im Alltag. Fern aus dem Osten kommt das graue Erz, selten und unscheinbar, doch ohne es bleibt jedes Werk unvollendet. Wo beide im Schmelzofen zusammenfinden, entsteht das schwarze Erz, Bronze genannt — hart genug für Klingen, Werkzeuge und die Ordnung der Welt.

Silber fließt wie erstarrtes Mondlicht aus fernen Hügeln. Es wiegt schwer, zählt viel und misst den Wert der Dinge. Gold braucht keine Herkunft: Es bleibt, wo alles andere vergeht, und gehört den Göttern wie den Königen.

Aus Ländern jenseits der großen Gebirge kommt der blaue Stein, Lapislazuli, tief wie der Himmel vor der Schöpfung, geschätzt für Siegel, Schmuck und Kultbilder. Bernstein, leicht und warm, wird an fernen Küsten gesammelt, wo das Meer den Wald berührt.

Elfenbein stammt aus heißen Ländern jenseits des uralten Reichs der Riedbärte im Süden, hart und hell, begehrt für Schnitzwerk und Insignien. Purpur, gewonnen aus stinkenden Muscheln an ferner Küste, färbt nur, wer Macht zeigen darf. Weihrauch und andere duftende Harze kommen aus trockenen Ländern jenseits der Steppe und steigen im Rauch zu den Göttern auf.

Salz kommt aus Quellen, Seen oder der verdunsteten Erde. Es erhält Fleisch, bindet Verträge und macht das Leben haltbar. Obsidian, schwarzes Glas aus feuerspeienden Bergen, schneidet schärfer als Metall und trägt noch die Hitze der Erde in sich.

Aus den milden Ländern jenseits der Hügel stammen Oliven, deren Öl Licht, Nahrung und Salbe zugleich ist. Korn und Getreide wachsen dort, wo die Erde regelmäßig Wasser trinkt. Sie sind das Maß der Jahre und der Frieden der Städte. Häute, Leinen und Wolle kommen von Herden und Feldern nah und fern. Sie kleiden den Menschen, schützen ihn und verraten, woher er stammt.

So wandern die Dinge über Wege aus Staub und Stein — und mit ihnen Macht, Hunger, Glaube und Geschichte.